Pressemitteilung

Gründerreport 2017/2018 der IHKs und HWKs in Rheinland-Pfalz

„Acht Steuererklärungen weniger im Jahr wären Erleichterung für Start-ups“
Spürbare Erleichterungen bei Besteuerung und Bürokratie für Unternehmens-gründerinnen und -gründer fordern die Arbeitsgemeinschaften der Industrie- und Handelskammern (IHK) und der Handwerkskammern (HWK) in Rheinland-Pfalz. Ohne Entlastungen dürfte es nicht gelingen, den anhaltenden Trend zu weniger Start-ups zu stoppen, sagten führende Vertreter der Kammerorganisationen bei Vorstellung ihres Gründerreports 2017/2018 in Mainz.
Ein einfacheres und gründungsfreundliches Steuersystem sowie die Reduzierung und Vereinfachung administrativer Aufgaben wie Berichtspflichten, Statistiken und Meldungen könnten das Gründungsklima verbessern. „Gründer müssen sich darauf konzentrieren, ihr Unternehmen zum Laufen zu bringen. Deshalb sollte der Gründungsprozess durch den konsequenten Einsatz digitaler Möglichkeiten der Behörden weiter verschlankt und Meldepflichten besonders für digitalaffine Start-ups erleichtert werden“, sagt der Sprecher der IHK-Arbeitsgemeinschaft, Arne Rössel. So sollten Gründerinnen und Gründer ihre Umsatzsteuervoranmeldung nicht mehr monatlich, sondern vierteljährlich erledigen dürfen, wie etablierte Unternehmen auch. Acht Steuererklärungen weniger pro Jahr wären für Gründer eine spürbare Erleichterung. Kleine Unternehmen sollten ihren Überschuss statt mit dem komplizierten Steuer-Pflicht-Formular „EÜR“ wieder formlos ermitteln dürfen. „Schon allein diese beiden Maßnahmen wären ein sichtbares Willkommenssignal der Politik an junge Unternehmen“, ist sich Rössel sicher.
Fortschritte machen die Kammern in der Förderpolitik der Landesregierung aus. Ralf Hellrich, Hauptgeschäftsführer der HWK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz, sagte:
„Wir begrüßen die Förderung des Landes Rheinland-Pfalz mit dem Aufstiegsbonus I und II sehr. Vor dem Hintergrund der guten Arbeitsmarktsituation wird es immer wichtiger Anreize für die Weiterqualifizierung und Selbstständigkeit zu schaffen. Wir stellen derzeit fest, dass die Lücke zwischen Betrieben, die übergeben werden sollen und potenziellen Nachfolgern immer größer wird. Für die Wirtschaftskraft eines Landes ist aber gerade das Gelingen von Betriebsübergaben von großer Bedeutung. Dies ist mit ein Beratungsschwerpunkt in den Starterzentren Rheinland-Pfalz.“
Der Gründerreport 2017/2018 belegt, dass die Zahl der Unternehmensgründungen in Rheinland-Pfalz auch 2017 abgenommen hat und damit dem bundesweiten Trend folgt: Seit 2011 gehen Gewerbeanmeldungen im Land zurück, im vorigen Jahr um -4 Prozent auf 31.651 (2016: 33.124). Zugleich geht aber auch die Zahl der Gewerbeabmeldungen zurück auf 32.139 (2016: 33.461). Damit setzt sich der Trend eines negativen Gründungssaldos fort, das heißt, es wurden 488 mehr Gewerbeab- als -anmeldungen registriert. Mit diesen Zahlen verharrt Rheinland-Pfalz allerdings im Ranking der Bundesländer bei den Gewerbeanmeldungen pro Kopf auf Platz elf.
Der Hauptgeschäftsführer der IHK für Rheinhessen, Günter Jertz, erläutert: „Die anhaltend gute Konjunktur sorgt in einigen Regionen für annähernde Vollbeschäftigung – was bei manchem Gründungsinteressierten den Anreiz senkt, eine vermeintlich finanziell riskante Selbstständigkeit einzugehen.“ Hier liegt aus Sicht der Kammern aber auch eine Chance, weil überwiegend nur wirklich Interessierte ein Unternehmen starten. Die Mitarbeiter der rheinland-pfälzischen Starterzentren registrieren immer noch große Nachfrage nach Informations- und Serviceleistungen. Sie hatten 2017 insgesamt 21.140 (2016: 23.908) Beratungskontakte und stellten fest, dass aktuell die Gründerinnen und Gründer besser vorbereitet sind als in früheren Jahren. Sie gehen ihre Geschäftsidee mit Bedacht und der Perspektive auf die Nachhaltigkeit ihrer Gründung an.
Die Berater der 31 Starterzentren begleiten alle Gründungsinteressierten seit nunmehr 16 Jahren in regionalen One-Stop-Shops durch alle Phasen der Unternehmensgründung, von der Erstinformation bis hin zur Gewerbeanmeldung. Das Serviceangebot reicht von grundlegendem Wissen zur gewerblichen Selbstständigkeit über individuelle Beratungen, Sprechtage und Seminare bis hin zu zielgruppenspezifischen Veranstaltungen. Die Kammern regen an, Doppelstrukturen im landesweiten Beratungsnetzwerk abzubauen, um Beratungsleistungen aus einer Hand noch effizienter zu machen.